Die Ausstellung »Energie in Bewegung«: Einführung und Preview

„Erzählte Energie“ und „Energie in Bewegung“

Herz des Projekts „Erzählte Energie“ ist die Ausstellung „Energie in Bewegung“. In Ihrem Zentrum stehen 19 Poster von jeweils ca. 190 cm Höhe und 2 x 80 cm Breite. Nach einführenden Informationen stellen die Poster Porträts von Menschen vor, die von vergangener und zukünftiger Energie erzählen. Sichtbar wird dabei, wie Energiegeschichte mit Migrations- und Einwanderungsgeschichte verwoben ist und auf wie vielfältige Weise beides zusammenhängt.

Wer sich ein Bild von „Energie in Bewegung“ machen möchte, die Ausstellung nicht selbst besuchen kann oder sie im schulischen Unterricht oder an Hochschulen nutzen will, erhält hier eine Preview der Ausstellungsposter.

⇒“Energie in Bewegung“ Poster-Preview 

Umfänglicheres Material, das auch für Unterrichtszwecke geeignet ist, enthält der Katalog zur Ausstellung, der ebenfalls zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.

Die Ausstellung „Energie in Bewegung“ präsentiert über die Poster hinaus Ton- und Audioaufnahmen auf Digiframes sowie eine Erlebniswand, auf der man Dokumente aus der Anfangsgeschichte der Einwanderung in den Bergbau entdecken kann, die aus dem Bochumer Montandok stammen,    Zahlreiche QR-Codes ermöglichen zudem eine virtuelle Erweiterung des Ausstellungsraums auf Sachinformationen und Videomontagen zu besonderen Themen.

Die Vielfalt der Energie- und Wanderungsgeschichte

In den Porträts gibt es Bergmänner der Generation türkischer Gastarbeiter, deren Kinder und Enkel heute in Deutschland leben, während sie selbst zum Teil zwischen Deutschland und der Türkei pendeln. Es gibt den jungen Geowissenschaftler, der aus Russland nach Deutschland gekommen ist und dessen Eltern in Russland im Bergbau tätig waren, dies in Deutschland aber nicht fortsetzen konnten. Der Sohn jedoch wird im „Nachbergbau“ das Erbe des deutschen Steinkohlebergbaus mit verwalten. Es gibt den Enkel türkischer Zuwanderer, der sich als Elektrotechniker für erneuerbare Energien begeistert, den Bergbau aber noch über Verwandte kennt. Oder es gibt die iranische Studentin, die zum Studium der erneuerbaren Energien nach Deutschland gekommen ist und die bereit ist, der neuen Energietechnik vielleicht zurück in den Iran, aber auch nach Afrika oder Südamerika zu folgen.

Im Zentrum der Porträts steht, wo Menschen herkommen, wohin sie gelangt sind, wo sie hinmöchten und was sie sich für die Zukunft vorstellen.

»Making of« und kultureller Hintergrund

„Making of“ der Ausstellung

Hinter „Erzählt Energie“ und „Energie in Bewegung“ steht eine zweijährige Arbeit am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum in enger Verbindung mit der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft und weiteren Partnern.

Neben umfangreichen Recherchen zur Energiegeschichte und Kulturgeschichte der Energie lag das Hauptaugenmerk auf der Gewinnung von Gesprächspartnern, deren Leben oder Familienbiographie Arbeit im Energiebereich einerseits sowie Migration oder Einwanderung andererseits verknüpft.

In intensiven Gesprächen wurden viele Stunden Ton- und Videomaterial produziert, das wiederum gesichtet werden musste, um in das begrenzte Format einer Ausstellung und eines Kataloges überführt zu werden. Dabei wurden zahlreiche offene oder verdeckte Verbindungen zwischen den Geschichten ehemaliger Kohlekumpel und ihrer Kinder- und Enkelgeneration sichtbar, die man in der Ausstellung „Energie in Bewegung“ entdecken kann.

Energiegeschichte und Kulturgeschichte 

Das Erzählen, das im Zentrum von „Erzählte Energie“ und „Energie in Bewegung“ steht, bewegt sich vor einem Hintergrund kultureller Erfahrung, der auch künstlerischen (Erzähl-)Ausdruck gefunden hat.

Zu denjenigen, die nicht nur früh von der Welt der Steinkohlegewinnung erzählen, sondern die die Energie erkennen, die aus dem Erzählen wächst, gehört zum Beispiel Fakir Baykurt. Er wird 1929 in Akçaköy, Türkei, geboren, und stirbt 1999 in Essen. In der Erzählung „Das Grab“ schildert er 1982 ein Grubenunglück im Kohlebergbau. Dabei zeigt in seinen Texten Nöte und Sehnsüchte, die man heute kaum wahrnehmen würde, wenn sie nicht erzählt worden wären. Hierzu gehört in „Das Grab“ die Frage, wo ein türkischer Bergmann bestattet werden soll. Es ist auch symbolisch gemeint, wenn Baykurts Geschichte mit dem Entschluss endet: In Deutschland.

Der Angst des „Gastarbeiters“ vor dem Berg setzt Fatih Akin 2002 in seinem Film „Solino“ ein Denkmal. Der Film erzählt von italienischen Einwanderern, die 1964 nach Duisburg kommen. Eine kurze Sequenz zeigt die Einfahrt in den Berg – und danach die Gewissheit, diese Arbeit nicht leisten zu können. Der Entschluss wird nicht erklärt. Man muss ihn so begreifen.

Im Medium des Erzählens verknüpfen sich alltägliche Geschichten, die in Familien weitergegeben werden, mit Geschichten der Kunst, woraus ein Panorama deutscher Energie- und Einwanderungsgeschichte entsteht.

Ergänzend gefördert durch: